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            Tatsachen   36       Disclaimer Impres    
 
  *  Elefant in Volksschule
  *  Die Igel-Mutter von Kierling
  *  Literarischer Mittwoch  S. Daxberger

NÖN Woche Nr. 44/ 1990   Kierling  Seite 10        Von Herwig Irmler  
 

Volksschüler brachten Elefanten in Klasse!      
Kierling,- Der in der Kierlinger Neugasse wohnhafte Volksschullehrer und weithin als `Tieronkel´ geschätzte Friedrich Kleinlein wird den Erlttierschutztag 1990 nicht so schnell vergessen.
Seinen Schülern der 3B des Marianums in Wien- Währing erlaubte er an diesem Gedenktag, Haustiere mit in die Schule zu bringen. Die Frage eines Schülers, ob auch ein Elefant mitgebracht werden könne, bejahte Tierfreund Kleinlein ohne zu zögern. Mit dem Versprechen: `Wenn ihr das schafft, räum ich eine Woche lang die Klasse auf,´ war für den beliebten Pädagogen diese heitere Frage bald vergessen.




















Die Elefantendame `Tundra´ begrüßt den Volksschullehrer Kleinlein und seine Schüler im Schulhof
 

Dass aus dem Spaß jemals Ernst werden könnte, daran dachte wohl niemand. Einem so ausgefallenen Wunsch der Schüler und Eltern konnte aber die Direktorin im Österreichischen Nazionalzirkus Althoff-Jacobi nicht widerstehen. Mit Begeisterung wurde die Aktion vorbereitet. Als `Tierschutzsympol´ fungierte die zweieinhalb Jahre alte und 1,3 Tonnen schwere Elefantendame `Tundra´.
Die Überraschung war gelungen. Als im Schulhof der Elefant eintraf, wollten ihn natürlich alle Schüler einmal streicheln. Damit aber noch nicht genug. Der Elefant musste seinen eigentlichen Auftrag noch erfüllen. Das Klassenzimmer betrat er mit größter Vorsicht. Ein Schluck aus dem Waschbecken und Heu eines mitgebrachten Hamsters stimmten ihn friedlich. Aus Dankbarkeit für die gute Behandlung des Dickhäuters spendierte die Zirkusleitung Freikarten für die ganze Klasse. Das Elefanten-Erlebnis erregte schließlich auch die Aufmerksamkeit der Schulbehörde. Für die Gewissenhafte Unterrichtsführung von Friedrich Kleinlein gab´s vom Schulinspektor  am nächsten Tag dann aber Lob und Anerkennung.
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NÖN Woche Nr. 7/ 1990   Kierling-  Seite 9        Von Herwig Irmler
 

Die `Igel-Mutter´ ist schon voll ausgelastet   
Kierling - Die Liebe zu den freilebenden Tieren hat Gertrude Prochaska in der Kierlinger Schumanngasse zur weithin bekannten `Igel-Mutter´gemacht.


 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Wenn sie sagt: `Ich verstehe ihre Sprache und kann mich mit ihnen verständigen´, dann kann man ihr das glauben. Zurzeit überwintern nicht weniger als 15 ausgewachsene Stacheltiere in ihrem Haus. Da muss es dann wohl eine Verständigungs-möglichkeit geben, um einen geordneten Haushalt aufrecht halten zu können
Der Igel, erklärt Frau Prochaska, ist ein Einzelgänger. Er lebt daher auch nicht in Gemeinschaft. So wird das Wohnhaus zum Igel-Haus. In Vorzimmer, Küche, Wohn- und Schlafzimmer richtete `Mutter Prochaska´ ihren Igelkindern fachgerechte Behausungen, wo die Tiere Wärme und Geborgenheit finden.
Besucher müssen sich natürlich den Gegebenheiten der Hausordnung anpassen. Beim Betreten eines Raumes muss man über ein zwischen dem Türstock aufgestelltes Brett steigen - und Lärm ist verpönt.
Der Tag im Leben eines Igels ist auch für die Hausfrau ein anstrengender Job. Der halbe Vormittag vergeht mit Aufräumen und Reinigung, denn die Tiere wachen durch ihre behagliche Umgebung manchmal aus dem Winterschlaf auf. Und bei den anschließenden `Entdeckungsreisen´ geht dann eben manchmal auch ein Gebrauchsgegenstand aus der Wohnung zu Bruch.
Alle Tiere, die aus der freien Natur zu Gertrude kommen, um sich für einen Winterschlaf `anzumelden´, bekommen einen Namen. Man kann sie auch unterscheiden. Jeder sieht anders aus. Beim Nennen der Namen `Oskar´ und `Mopsi´- wachen die beiden neugierigen Tiere au. Es bedarf keiner großen Überredungskünste, den unterbrochenen Schlaf, der bis Ende März dauert, fortzusetzen. Es genügt da das Füttern mit Mehlwürmern, des Igels Lieblingsspeise.
Nicht nur gesunde Tiere hat Frau Prochaska zu pflegen. Oft werden im Garten auch kranke Igel gefunden. Die Igelmutter versteht sich auch in dieser Sparte. Nur selten muss ein Tierarzt aufgesucht werden. Seit Tschernopyl gibt es auch bei den Igeln immer mehr Krebsfälle, klagt die Tierhüterin.
Die Vollbeschäftigung ist jedenfalls gegeben. Und wenn nach einem anstrengenden Tag Gertrude Prochaska zur Ruhe geht, wartet schon `Willi´ unter der Bettdecke. Im Frühjahr werden die geliebten Igel wieder ausgesetzt. Wer weiß, vielleicht kommen sie im nächsten Winter wieder...
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Aus den Beiträgen weiterer NÖN- Journalisten...
Literarischer Mittwoch beim Heurigen geplant  
 
NÖN 
 Woche Nr. 7 / 1990  Kultur, Seite 10 
Von Sabine Daxberger

Klosterneuburg,- Die Gesellschaft der Literaturfreunde Klosterneuburg plant die Veranstaltungsreihe `Literarischer Mittwoch´ im Aignerhof. An jeweils einem Mittwoch im Monat soll im Aignerhof eine Art Literaturtreff stattfinden.
Eingeladen, zwanglos vorbeizuschauen, sind alle an Literatur interessierten, Lesenden, aber auch die selbst Schreibenden. Es soll Mitgebrachtes über alle gewünschten Literaturthemen gelesen, und auch über den Literaturbetrieb diskutiert werden. Nicht zuletzt Tips gegeben, aber auch ungezwungen geplaudert werden. Man soll sich wohlfühlen, interessante Menschen treffen und so ein Forum gründen. Dies vor allem auch für junge oder noch unbekannte Autoren.
Zu diesem Zweck ist geplant, interessante Gäste aus der Literatur und Theaterszene einzuladen und zum Mitmachen zu animieren. Im Sommer werden diese Treffen im Grünen, als `Literarisches Picknick´  stattfinden.
Alle, die sich angesprochen fühlen, sind zum Kommen, Schnuppern und Bleiben eingeladen. Die Gesellschaft der Literaturfreunde freut sich auf Ideen, Anregungen und viele Interessierte.
Der erste `Literarische Mittwoch´ wird am 4.4.1990 um 19 Uhr im Aignerhof über die Bühne gehen.
Informationen, Kontakt, Anregungen, Wünsche, Auskünfte sind erhältlich bei der Gesellschaft der Literaturfreunde, Stadtplatz 44, Tel. 85579.

NÖN   Woche Nr. 8 / 1990  Kierling  Seite 11           Von Herwig Irmler
 
Dr. Webers Ideen zu Umwelt und Verkehr
Wahlgemeinschaft stellt Forderungskatalog vor

Klerling,- Nicht mit Fludzetteln und Wahlgeschenken, sondern mit Fachwissen und realistischen Programmen will Dr. Paul Webers Wahlgemeinschaft die 90er Jahre beschreiten.
Die Wahlgemeinschaft hat in ihrer zehnjährigen Gemeinderatstätigkeit viel erreicht: Hervorgehoben werden dabei die Verhinderung der Schnellstraße durch die Au, Rettung der Stegleitengründe als Grünland, Unterschutzstellung der Waldandacht in Kritzendorf und die Umwidmung der Irrenfeld-Baugründe in Grünland.

Dr. Paul Weber

Im Forderungskatalog der Wahlgemein-schaft werden konkrete Vorstellungen zu Umweltthemen (sauberes Wasser, Abfalltrennung, Kanalbau), Fragen der Wirtschaft und verschiedener Orts-gruppen (Senioren, Behinderte, Kinder) genannt.

Der größte Teil des Programms ist dem Verkehr gewidmet. Die Realisierung eines eigenen Verkehrskonzepts soll die Lebensqualität erhöhen. Dr. Weber: `Um den Massenverkehr attraktiver zu gestalten, verlangen wir eine Verbesserung der Bus- und Bahnverbindungen mit besserer Koordinierung der Anschlüsse. So würden keine Wartezeiten über fünf Minuten auftreten.
Mit der Verlegung der Franz-Josefs-Bahn unter Flur, oder der Verlängerung der U-Bahn bis Tulln, wäre schließlich eine zukunftsweisende Lösung gefunden.

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        Tatsachen    36


 

 

 

KARL BAUER ist von uns gegangen!
Paul Richter Pensionistenverband  


Karl Bauer geboren am 22.07.1913 und seit dem Jahre 1980 Obmann des Pensionistenvereins Klosterneuburg Obere Stadt, ist vor einigen Tagen von uns gegangen. Die Einsegnung und das Begräbnis fanden am Oberen Friedhof in Klosterneuburg, bei strahlendem Sonnenschein statt. Es nahm die Familie, fast alle Mitglieder des Klubs aus Klosterneuburg teil. Auch von den Pensionisten Klubs aus den Katastralgemeinden, sowie die Hausparteien und viele Freunde sind gekommen um Abschied zu nehmen. Das Einsegnungshaus war viel zu klein, so dass die Abschied nehmenden Freunde keinen Stehplatz mehr fanden und von außen Abschied nahmen. Viele sagten, Karl hat uns dieses schöne Wetter gewünscht, damit sich niemand verkühlt oder krank wird. Herr Karl Bauer war seit dem Jahre 1980 als Vorsitzender des Pensionistenverbandes Österreichs - Ortsgruppe Klosterneuburg. Er löste seinen Vorgänger Herr Alex Jasjulek als Vorsitzender ab und führte die Geschäfte des Klubs, unter Mithilfe aller Freunde und Mitarbeiter, mit großer Freude und Einsatz. Nach Übergabe des Vorsitzes, an Ing. Paul Richter, was aus gesundheitlichen Gründen notwendig geworden ist, kümmerte er sich als Ehrenobmann immer um die Belange des Klubs und blieb stets im Kontakt mit dem Klubvorstand und seinen Freunden. Seine Gattin, die Steffi Bauer kümmerte sich immer, auch während seiner Erkrankung, in liebevollster Weise um den Karl und bemühte sich, ihm jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Unser Karl Bauer hinterlässt eine große Lücke im Pensionisten-Verband der Ortsgruppe Klosterneuburg und wird uns allen in dauerhafter, bester, lieber Erinnerung bleiben.
 

 

Weidlinger Dichter vergessen?

Weidling.- Das Ehrengrab des vielfach geehrten und ausgezeichneten Schriftstellers Prof. Dr. Friedrich Sacher, am Weidlinger Friedhof, ziert heute nur ein vermodertes Strohkreuz mit verwelkten Blumen. Viele Verehrer der beispielhaften Literatur dieses Kulturschaffenden stellen sich die Frage: Wurde Friedrich Sacher an seinem 100. Geburtstag vergessen?

Am 16. Oktober 1979 veranstaltete die Klosterneuburger Gesellschaft der Literaturfreunde für Friedrich Sachers 80. Geburtstag noch eine große Party. Einer beeindruckenden Laudatio auf sein bewegtes Leben folgten Leseproben seines dichterischen Schaffens, u.a. gehalten von Prof. Hademar Bankhofer.


Ein trauriger Anblick- das Sacher Grab

Am 22. November 1982 verstorben, erhielt Sacher ein Ehrengrab in Weidling. 1989 wurde zum Gedenken an seinen 90. Geburtstages in der Hermannschule, der Stätte seines Wirkens als Lehrer, feierlich eine Gedenktafel enthüllt. Heute, zur Erinnerung an seinen 100. Geburtstag brennt nicht einmal ein Licht auf seinem Grab.

So stellte sich die traurige Tatsache jedenfalls noch vor dem Allerheiligentag 99 dar. Bis Ortsvorsteher Karl-Heinz Weiss das vollbrachte, für das sich andere schämen sollten. Karl-Heinz Weiss ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, hat seinen beispielhaften Charakter zur Freude und Genugtuung aller Bürger schon mehrfach unter Beweis gestellt. Auch diesmal sind ihm die Menschen wieder dankbar, für das zum ehrenden Gedenken entzündete Licht und den Schmuck am Grab des Dichters. 

Am 10. September 1899 als Sohn eines Schuldirektors in Wieselburg geboren, zogen seine Eltern 1919 nach Weidling. Neben seiner Unterrichtstätigkeit als Lehrer an der Hermannschule, studierte Friedrich Sacher Philosophie und Geschichte an der Uni Wien. Seine frühe schriftstellerische Begabung ließ ein Werk nach dem anderen entstehen. Nicht weniger als 60 Bücher stammen aus der Feder von Friedrich Sacher. Viele Märchen, Gedichte, Erzählungen, Fabeln, Anektoten und Romane wurden in fremde Sprachen übersetzt. 1969 wurde dem großen Weidlinger Dichter die höchste Auszeichnung zuteil. Das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.




Erfreuliche Ehrung- Danke! Karl-Heinz Weiss


Weidling  8.12.99
Weidling trauert um Johann Forthuber











Johann Forthuber
 

Johann Forthuber, der treue Mitarbeiter der Pfarre Peter & Paul in Weidling, hat durch seine Opferbereitschaft und Nächstenliebe über seinen Tod hinaus, nachahmenswerte Beispiele gesetzt. 

Mit einer vielbeachteten Laudatio auf diesen ehrenwerten Gentleman, verabschiedete sich die Pfarrgemeinde und Pfarrer Dechant Gerhard Gödel:

"Wir nehmen abschied von Herrn Johann Forthuber und haben uns versammelt, um in der Eucharistiefeier seiner in Liebe und Dankbarkeit zu gedenken. Gattin, Kinder und Enkelkinder trauern um ihren so liebenswerten, umsichtigen Gatten, Vater und Großvater. Und wir, die wir ihn gekannt, geschätzt und geliebt hatten, trauern mit euch.
Weidling ohne Forthuber- das kann man sich kaum vorstellen. Nicht nur in seiner eigenen Familie hat sein Hinscheiden eine große Lücke hinterlassen. Wir alle werden ihn sehr vermissen. Er wird uns fehlen, in jeder Hinsicht. Aber bei aller Trauer, die uns bedrückt, müssen wir als gläubige Christen auch von einer tiefen Dankbarkeit erfüllt sein. Dankbar müssen wir sein Gott, dem Geber alles Guten, dass er uns diesen wertvollen Menschen geschenkt hat, dass er uns so viele Jahrzehnte durch dieses vergängliche Leben begleiten konnte. und danken müssen wir auch unserem lieben Verstorbenen, für all das, was wir durch ihn erfahren durften. Er war ein besonders väterlicher Mensch gegenüber den vielen Hilfesuchenden, um die er sich in besonderer Weise angenommen hatte. 
Seit dem Jahre 1951 zählt er zu den treuesten, zuverlässigsten Mitarbeitern der Pfarre Weidling. Zuerst ging es ihm darum, Ministranten, Jungschar und Jugendgruppen aufzubauen und heranzubilden. Er war ein erfahrener Organisator. Seit Jahrzehnten war Johann Forthuber ein aktives Mitglied der kath. Männerbewegung und seine Gattin Erna war viele Jahre Leiterin der kath. Frauen in Weidling. Geradlinig, korrekt und gewissenhaft ging er seinen beruflichen Aufgaben als Grundbuchführer im Bezirksgericht Klosterneuburg nach. 
Und nach seiner Pensionierung hat er erst recht seine Fähigkeiten der Pfarre Weidling zur Verfügung gestellt. So gesehen, war sein "Eintritt in den Ruhestand"- ein wahrer Segen für unsere Pfarrgemeinde. Über zwanzig Jahre war Herr Forthuber als ehrenamtlicher Mitarbeiter in meiner Pfarrkanzlei tätig, wo ihm ein eigener Schreibtisch zur Verfügung stand. Er war stets ein fleißiger Pfarrsekretär. Mit besonderer Sorgfalt bemühte sich Herr Forthuber um die Weidlinger Pfarrchronik. Infolge dieser Tätigkeit, befasste er sich mit der Weidlinger Ortsgeschichte und schrieb aus den erworbenen Kenntnissen und Erlebnissen zwei wertvolle Heimatbücher über die Geschichte unseres Ortes. Darüber hinaus war ihm die Führung der Pfarrkartei, die Versendung der Geburtstagsbriefe und vieles mehr anvertraut. 
Herr Forthuber ist ruhig und friedlich, umringt von seinen Lieben, im Herrn gestorben. Er hat aber auch während seines langen Lebens "im Herrn" gelebt. Nun ist er befreit von allem Leid dieses irdischen Daseins. Und ganz gewiss durfte auch er das Wort unseres Erlösers vernehmen: "Du guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude deines Herrn."  Amen".

 

 

Im Memoriam Frau Prof. Direktor Elisabeth Wellner
Klosterneuburg, 16.05.2000

Foto:  Stadtgemeinde   Mag. Eistert


 

Am 17. Mai 2000 jährt sich der 10. Todestag von Frau Prof. Elisabeth Wellner. Zu diesem Anlass legte Bürgermeister Dr. Gottfried Schuh am 16.5. an ihrem Grab gemeinsam mit Vizebürgermeister Alfred Schmid, Altbürgermeister ÖR Karl Resperger und Dir. Paul Mürwald ein Bukett nieder. In einer Gedenkminute erinnerte Bürgermeister Dr. Gottfried Schuh an das sehr verdienstvolle und engagierte Wirken dieser Persönlichkeit für Klosterneuburg.

Elisabeth Wellner wurde am 1.2.1908 in Klosterneuburg geboren und studierte an der Hochschule 5 Semester Physik und Mathematik. Nach Erziehungs- und Lehrdiensten in Erziehungsanstalten der Stadt Wien von 1929 bis 1936 heiratete sie am 14.10.1936 Dr. Max Wellner.

Von September 1946 bis zu ihrer Frühpension 1963 (schweres Bronchialasthma) war Frau Elisabeth Wellner als Lehrerin und Direktorin in der Volksschule in Greifenstein tätig. Sie war mit der ehrenamtlichen Leistung des Stadtarchives und des Museums der Stadt Klosteneuburg betraut. Ihr Hauptziel in dieser Tätigkeit war die Anlage einer Foto-Dokumentation von Klosterneuburg. Auch die wissenschaftliche Bücherei im Archiv, die vor allem von Studierenden aufgesucht wird, betreute Frau Prof. Dir. Wellner.

Ihre Mitarbeit bei kulturellen und wissenschaftlichen Veröffentlichungen wurde bei allen Autoren außerordentlich geschätzt. Ihre hervorragenden Kulturbeilagen im Amtsblatt der Stadtgemeinde Klosterneuburg sowie die Kulturbeiträge in den „Klosterneuburger Nachrichten“ waren von höchstem Niveau.

Dank ihres langjährigen allgemein anerkannten schöpferischen, lehrenden und forschenden Wirkens hat sie das Ansehen der Kunst und der Wissenschaft in Klosterneuburg in hervorragender Weise gefördert. Für ihre herausragenden Leistungen wurde  ihr im Jahr 1985 vom Bundespräsidenten der Professor-Titel verliehen. Frau Prof. Elisabeth Wellner verstarb in den frühen Morgenstunden des 17. Mai 199


 

Zum Gedenken an Nikolaus Lenau

Weidling, 23.08.2000

150. Todestag des großen österr. Dichters

Bericht freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Stadtgemeinde Klosterneuburg


Mag. Michael Duscher und Bgm. Dr. G. Schuh

Am 22.8.2000 jährt sich zum 150. Mal der Todestag eines großen Klosterneuburger Dichters und Lyrikers: Nikolaus Lenau. Bürgermeister Dr. Gottfried Schuh legte ihm zum Gedenken auf seiner letzten Ruhestätte auf dem Weidlinger Pfarrfriedhof einen Kranz nieder. 

Nikolaus Niemsch Edler von Strelau, besser bekannt als Nikolaus Lenau, wurde am 13. August 1802 in Csatad im Banat geboren. Zu seiner Schwester Theresa und Ihrem Gatten Anton Schurz, die beide in Weidling (in der heutigen Lenaugasse) wohnten, hatte Nikolaus Lenau, der stets ruhelos zwischen Wien und Schwaben pendelte, ein ausgezeichnetes und inniges Verhältnis.

Sehr oft, eine zeitlang sogar täglich, wanderte Nikolaus Lenau von Döbling über den Kahlenberg zu seiner Schwester nach Weidling. Bei ihr und im Kreise der kinderreichen Familie fühlte er sich sehr wohl. Die Waldlandschaft des Weidlingtals genoss und liebte er sehr, sie regte ihn auch zu den letzten Gedichten der „Waldlieder“ an.

1844 fiel Nikolaus Lenau nach einem Schlaganfall in geistige Umnachtung, nach sechsjährigem Todeskampf verstarb er am 22.8.1850 im Alter von erst 48 Jahren. Seinem Wunsch entsprechend fand er in seinem geliebten Weidling auf dem Weidlinger Friedhof seine letzte Ruhestätte.

„Bist fremd du eingedrungen
So fürcht Erinnerungen
Sie stürzen auf Waldwegen
Wie Räuber dir entgegen.

Willst du im Walde weilen
Um deine Brust zu heilen
So muss dein Herz verstehen
Die Stimmen, die dort wehen ...“

 

Fußballlegende -  "Neger" - Otto Mastny ist tot   11. November 2000
























Traurig: Der „Neger“ Otto Mastny ist tot
Klbg, 11.11.2001

Knapp vor Leopoldi hat die Klosterneuburger Fußballwelt einen der begnadetsten Sportler der Fünfziger-Jahre zu Grabe getragen. Der im 74. Lebensjahr verstorbene Otto Mastny war bis ins hohe Alter fit und sportlich aktiv. Sein Leben war der Fußball.

Bild: re vo in der Hocke: Starstürmer “Neger” – Otto Mastny

Zurückversetzt in die „Goldene Fußballzeit“, erzählen die Zeitzeugen noch heute vom „Klosterneuburger Wunderteam“. Einer der Stars von damals war zweifellos der „Neger“, wie Otto Mastny von seinen Fans gerufen wurde. Angefeuert mit „Neger geh´ma“ schoss er oft aus  unglaublich spitzem Winkel das Leder unhaltbar über die Linie. 
Der Applaus der meist über 3000 Zuschauer galt aber auch Ottos Kollegen. Mit den Stars, Johann „Hansi“ Lachsteiner, „Burli“- Kovacz oder Leopold „Poldi“ Stein, der als Starverteidiger sogar einmal im Nationalteam seinen Mann stellte, gelang es den Klosterneuburgern in die NÖ Landesliga aufzusteigen.

So groß Erfolg, Ruhm und Ehre waren, so klein war damals der Lohn für die Elite-Sportler. Wenn die Spieler nach einem siegreichen Match zu Gulasch und Bier ins Gasthaus Kaufmann eingeladen wurden, galt dies als übliche „Bezahlung“. Leistung war nicht abhängig von Geld und Verdienst, es war vielmehr eine Selbstbestätigung des eigenen Könnens und eine Verpflichtung, der Stadt ein sportliches und ehrenvolles Antlitz zu geben. 


 

Klbg., 5.5.2001

Rechnungsdirektor i.R. Johann Cihal verstorben 

Am 26. April 2001 verstarb der ehemalige Leiter der Finanzverwaltung der Stadtgemeinde Klosterneuburg, Johann Cihal. Er trat 1954 als Buchhalter und Liquidator bei der Stadtgemeinde Klosterneuburg ein und wurde im Jahre 1968 mit der provisorischen Führung des Rechnungsamtes betraut. 1970 wurde ihm der Amtstitel „ Oberrechnungsrat der Stadtgemeinde Klosterneuburg“ verliehen, drei Jahre später wurde er zum Geschäftsabteilungsleiter, 1976 schließlich zum Rechnungsdirektor bestellt. Nach 32 Jahren sehr engagierter und mit viel Fachwissen durchgeführter Tätigkeit bei der Stadtgemeinde Klosterneuburg, davon 13 Jahre als Leiter des städtischen Rechnungswesens, trat Johann Cihal im März 1986 in den Ruhestand. Er hat mit seiner hervorragenden Arbeit ganz wesentlich dazu beigetragen, dass die Stadt Klosterneuburg über einer geordnete und zukunftsorientierte Finanzlage verfügt. 
stgmde

 

4.6.2001

Vorwiegend heiter...

... und doch kein Wetterbericht. Mit diesem Titel lud heuer die Familienrunde zu den traditionellen Rosenmontag- Essays von General-Staatsanwalt Dr. Gerhard Nurscher in die Kierlinger Pfarre.

 Es war die letzte heitere Stunde am Ende der Faschingszeit. Dr. Gerhard Nurscher verstarb vor wenigen Tagen plötzlich im Klosterneuburger Krankenhaus. Der Tod des beliebten Spaßmachers versetzt die Kierlinger Bevölkerung in tiefe Trauer.

Dr. Gerhard Nurscher konnte, nicht nur die ihn umgebenden Freunde, mit Witzen und launigen Begebenheiten aus seinem Berufsleben erfreuen. Im Kreise des von ihm mitgestalteten Kirchenchors und der Sängerrunde stellte er bei Ausflügen im In- und Ausland auch immer wieder sein großes geschichtlich fundiertes Wissen unter Beweis. Ale die ihn kannten freuten sich immer wieder seine Gesellschaft zu genießen.  Zuletzt wirkte er bei der Festschrift zur Hundertjahrfeier der Kierlinger Sängerrunde maßgeblich mit.


Klbg, 25.9.2001             

Astronom vom Haschhof-
Ing. Rudolf Pressberger plötzlich verstorben

Stgmde: Am Freitag, dem 11. August 2001, verstarb völlig unerwartet Ing. Rudolf Pressberger bei einer Bergwanderung in Osttirol. Mit Ing. Pressberger verliert die Stadt Klosterneuburg eine bedeutende Forscherpersönlichkeit. Bekanntlich hat dieser begnadete Techniker und Astronom im wahrsten Sinne des Wortes eigenhändig sein Observatorium am Naschhof errichtet. Selbst das Spiegelteleskop inklusive 1 m Spiegel, hat er selbst angefertigt. Betrieben wird diese Anlage mit einer der modernsten Computersteuerungen für astronomische Geräte. Bei der Errichtung dieses Observatoriums, die zweitgrößte private Sternwarte Europas, hat Ing. Pressberger fast übermenschliche Leistungen vollbracht. Die Bauzeit dieser Anlage, für die er in hohem Maße auch Altstoffe verwendete, betrug 7 Jahre. Nicht nur in nationalen wie auch internationalen Fachkreisen, sondern auch seitens vieler Bürger Klosterneuburgs sowie Wanderer, die an seinem Observatorium vorbeigingen, wurde Ing. Pressberger große Anerkennung und vor allem Bewunderung zuteil. Seinem technischen Genie verdankt Klosterneuburg einen besonderen Meilenstein in seiner Wissenschaftsgeschichte. Ing. Pressberger sind mehrere viel beachtete astronomische Entdeckungen zu verdanken, die er in nationalen wie auch internationalen Fachzeitschriften publizierte. Bei aller Genialität ist Ing. Pressberger stets ein sehr bescheidener und mit der Natur innig verbundener Mensch gewesen. Seinen Urlaub verbrachte er stets in dem von ihm geliebten Osttirol, wo er nach Bergkristallen und sonstigen interessanten Mineralien suchte und nun auch starb. Auch als äußerst freundlicher und hilfsbereiter Mensch wird Ing. Pressberger seinen vielen Freunden und Verehrern in Klosterneuburg   sehr fehlen.  
                                                              
1989 Kulturpreis an Pressberger

Stadtrat Dkfm. Helmut Abheiter verstorben
Klosterneuburg, 7.10.2001


Stadtgemeinde Klosterneuburg
Rathausplatz 1,  3400 Klosterneuburg
Tel.: 02243/ 444-204, Fax: 02243/ 444-202
mailto: pressestelle@klosterneuburg.at 
web: www.klosterneuburg.at 
Mit Dkfm. Helmut Abheiter verliert der Klosterneuburger Gemeinderat eine seiner profiliertesten Persönlichkeiten. Er war im wahrsten Sinne des Wortes das Umwelt- schutzgewissen der Stadt. Er hat Umweltschutz nicht nur gepredigt und verordnet, er hat Umweltschutz mit sehr viel Sensibilität vorgelebt. Helmut Abheiter hat für fast alle umweltschutzrelevanten Maßnahmen und Investitionen der Stadt die Weichen gestellt. Er war in vieler Hinsicht auch der Innovationsmotor der Stadt. Viele zukunftsweisenden Strategien - insbesondere im energie- politischen Bereich- verdanken wir ihm. Ein besonderes Anliegen waren ihm die umweltschonenden Alternativenergien. Eine Hauptzielgruppe seiner Umweltinitiativen waren Kinder und Jugendliche.
Mit viel Geduld und Liebe hat er die junge Generation kontaktiert und motiviert. Dabei kam ihm zugute, dass er nach der letzten Wahl im Jahre 2000 das Amt des Schulstadtrates übernahm. Diesem Amt widmete er sich auch mit besonderer Hingabe und gewann sehr bald die Herzen der Schüler, Lehrer und Eltern. Seine Stimme war nie laut, dafür aber umso deutlicher. Er war stets bemüht in schwierigen Situationen ein ruhender Pol zu sein. Gegenüber politisch Andersdenkenden war er stets bemüht, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Helmut Abheiter war ein sehr feinsinniger und nachdenklicher Politiker, der sich
niemals zu unüberlegten Handlungen hinreißen ließ.
Sein Umweltcredo war tief in unserem christlichen Glauben verankert, den er vorbildlich praktizierte. Sehr wichtige Lebensprinzipien waren für ihn Nächstenhilfe, Toleranz und Demut. Als Familienvater ließ er seinen Lieben stets ein Höchstmaß an Güte und Zuneigung zuteil werden. In seiner politischen Gesinnungsgemeinschaft, der Klbg VP, war er der Vordenker schlechthin. Mit seinem Ableben erleiden seine Familie, die Stadtgemeinde Klosterneuburg sowie seine Freunde in der Klosterneuburger Volkspartei einen unersetzlichen Verlust. Es gibt nur wenige Menschen, die
unersetzlich sind. Helmut Abheiter ist es!
Bürgermeister Gottfried Schuh
 

Kierling, 20.12. 2001               

Trauer in Kierling: Johanna Spanny ist nicht mehr

 

Prälat Bernhard Backovsky:
"Sie hat das Brot des Herrn verteilt und den Wein der Freude geschenkt. Wir danken ihr dafür."

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Der aus Kierling stammende Propst des Chorherrenstiftes Klosterneuburg, Prälat Bernhard Backovsky, ließ es sich nicht nehmen, die verstorbene Johanna Spanny bei der hl. Messe und bei der letzten Ruhestätte am Kierlinger Friedhof zu verabschieden. Die Kierlinger Bevölkerung erwies ihr beinahe geschlossen die letzte Ehre.
Heute wird zwar tiefe Trauer bekundet, im Namen und im Sinn von Johanna Spanny können die Menschen, die sie kannten, aber auch mit Mut und Optimismus in die Zukunft blicken. Sie hat stets große Zuversicht verbreitet. Johanna Spanny als "Institution" des gesellschaftlichen Lebens. Mit Respekt und Anerkennung wurde dieser beachtenswerte Mensch so beurteilt. Sie war informierter als jede Zeitung. Mit Begeisterung, genauso aber auch mit Humor, verbreitete sie die Kierlinger Neuigkeiten. So musste man sie einfach ins Herz schließen.
Sie fehlt uns sehr.
Herwig Irmler

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Am Dienstag, dem 4. Dezember, ist unsere Johanna nach langem, schweren aber mit Geduld getragenen Leiden, im christlichen Glauben von uns gegangen. Ihr Leben war ein vorbildliches. Es war geprägt von Arbeit und steter verantwortungsbewusster Sorge um ihre Familie.
Der Beliebtheitsgrad, sowie die hohe Wertschätzung aller jener die sie kannten, machten sie wahrlich zu einer Persönlichkeit wie man sie selten findet. Unersetzlich als Familienmensch, als Vorbild bezüglich Ehrlichkeit, Offenheit und Verlässlichkeit - für uns alle. Im besonderen Maße aber für ihre Angehörigen.
Geboren wurde Johanna Spanny 1939 in Heinrichs bei Vitis im Waldviertel, bestattet wurde sie am Freitag, dem 14. Dezember, begleitet von ihrem tief trauernden Gatten Karl, seinen Kindern, Verwandten und einer großen Trauergemeinde, im Familiengrab des Ortsfriedhofes.
Johanna Spanny wird uns ganz sicher unvergessen bleiben. Im besonderen sei ihrer Familie aufrichtige Anteilnahme zum Ausdruck gebracht.
Die Trauernden
Kierling Aktuell

Abschied von Johanna Spanny                         Gesellschaft-Trauer

 




 


 

 

Klosterneuburg  08.01.2000

ES WAR EINMAL...


Stolz berichtete 1873 die Neue Illustrierte Zeitung über das technische Wunderwerk, die Standseilbahn auf den Kahlenberg.                      Foto: Nostalgie am Alsergrund

"Bitte, ein Ticket für die
Seilbahnfahrt auf den Kahlenberg!"
ES WAR EINMAL...

Genau an der Landesgrenze zwischen Wien und Niederösterreich liegt die Donauwarte. Von den Orten Kahlenbergerdorf und Weidling gleich weit entfernt, fuhr man vor 127 von hier mit einer Standseilbahn auf den Kahlenberg. Diese im ganzen Land einzigartige Anlage war die Attraktion der Weltausstellung in Wien des Jahres 1873. 
Anlässlich der Weltausstellung wollte man den Gästen eine bequeme Aufstiegshilfe auf den Kahlenberg, den schönsten Aussichtsberg am Rande des Wiener Beckens bieten. von zwei Seiten wurde daher dem Berg zu Leibe gerückt. Von Nußdorf aus erklomm eine Dampf- Zahnradbahn entlang der südlichen Kahlenberg-Flanke den Gipfel der schönen Aussicht.  Der Betrieb dieser beliebten Attraktion konnte bis zum Ersten Weltkrieg 1914, aufrecht gehalten werden. 
Am 27. Juli 1873 wurde die Standseilbahn an der Ostseite des Berges eröffnet. Kein langes Leben sollte ihr gegönnt sein.  Schon im März 1976 wurde sie, nach einem gewaltigen Erdrutsch, der die Trasse auf einer Länge von ca. 50 Metern blockierte, wieder eingestellt. 
Die Standseilbahn, die ihrer Zeit weit voraus war, überwand eine Strecke von 725 Metern und einen Höhenunterschied von beinahe 300 Metern. Die durchschnittliche Steigung betrug beachtliche 34 Prozent.
Der Fuhrpark- es wurde im Gegenverkehr gefahren, bestand aus 2- zweigeschossigen Wagen für je 90 Personen. Im Oberstock waren die 40 Plätze der 3. Klasse untergebracht, zu "ebener Erde" befanden sich 24 Plätze erster und 26 Sitze 2. Klasse. Die von der Hernalser Waggonfabrik gebauten Wagen bewegten sich mit einer Geschwindigkeit von 145 Metern pro Minute. Eine Fahrt dauerte ca. 5 Minuten. 
Nach dem Erdrutsch stellte die Kahlenbergbahn-Gesellschaft, die zu dieser Zeit in finanzielle Bedrängnis gekommen war, die Standseilbahn ein und beförderte nur noch mit der Zahnradbahn die freizeithungrigen Wiener auf ihren Hausberg. 
Zum Verkauf angeboten, fand sich im Mai 1877 ein Interessent. Die Brigittenauer Maschinenbaufirma Schimmelbusch. Sie seilte die Waggons ab, kappte das verschüttete Seil und zerlegte die Maschinen. Aus den Ziegeln des Maschinenhauses wurde später die Staphanie- Aussichtswarte errichtet.

Auszugsweise Bez.Journal Döbling/ Klbg

 

es war einmal...  
DER RATTENFÄNGER VON KORNEUBURG
           Korneuburg  25.01.2000

Einst wurde die Stadt Korneuburg von einer so schrecklichen Rattenplage befallen, dass die Bürgerschaft fast verzweifelte. Man versuchte alles mögliche, um die Tiere loszuwerden, aber nichts half. Schließlich beschloss der Rat der Stadt eine hohe Belohnung für denjenigen auszusetzen, der Korneuburg für immer von den Ratten befreien würde. 

Eines Tages erschien ein graugekleideter Fremder und erbot sich, der Bevölkerung zu helfen. Er nahm seine Flöte und begann zu spielen, schritt die Donaustrasse hin­unter, durch das Schiffertor hinaus und hinter ihm liefen die Ratten her. Er spielte und ging ins Wasser der Donau hinein. Die Ratten folgten ihm und ertranken. 

Als er sein Werk getan hatte, kam er zurück und forderte den versprochenen Lohn. Doch der Rat der Stadt war der Meinung, dass für eine so geringe Leistung, wie das Flötenspiel, eine so hohe Summe, wie vereinbart, nicht gerechtfertigt wäre und gab ihm ein geringeres Entgelt. Der Rattenfänger bestand auf den ursprünglich vereinbarten Lohn, doch hatte kein Druckmittel, außer der Drohung zurückzukommen, was die Stadtväter nur wenig beeindruckte.

Eines Tages aber erschien er wieder. In prächtiger Kleidung und mit einer goldenen Flöte betrat er die Stadt und spielte eine Melodie, die so schön war, dass ihm alle Kinder zuliefen.

Scharenweise folgten sie dem Fremden, der pfeifend zur Donau schritt. Am Ufer schaukelte ein Schiff, das mit bunten Bändern und wehenden Fahnen geschmückt war. Nur einige Kinder waren in der Stadt zurückgeblieben. Eines davon war taub und hatte die lockenden Töne nicht gehört, ein anderes war am Ufer umgekehrt, weil es seinen Mantel vergessen hatte. Alle anderen Kinder bestiegen mit dem Rattenfänger das Schiff, das kurze Zeit später donauabwärts fuhr. Keines von ihnen wurde jemals wieder gesehen.  

Die Sage über dieses historische Ereignis wurde zum Thema eines Musicals. Das Musical „Der Rattenfänger von Korneuburg“ wurde im Sommer 1999 uraufgeführt. Die Musik ist in erster Linie von der Rockmusik geprägt, umfasst aber auch zarte Balladen und Jazz-Elemente.

100 Jahre alt: Der Rattenfänger-Brunnen

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100 Jahre Schigeschichte 
Mathias Zdarsky
Niederösterreich 13.03.2000


Der Basler Sporthistoriker Lutz Eichenberger schilderte in einem Beitrag für die Zeitschrift DAMALS (3/94) 
die Anfänge des Skifahrens: Als die Bretter laufen lernten. Bei den ersten Skirennen ging es nicht nur darum, 
möglichst schnell einen Berg hinunterzukommen, sondern auch der Aufstieg, zünftig mit angeschnallten Brettern,
wurde in die Zeitwertung mit aufgenommen.

Als Geburtsstätte des Alpin­skilaufs steht Lilienfeld heuer im Zeichen einiger großer Ju­biläen: Vor 100jahren gründete Matthias Zdarsky den "lnternationalen Alpen-Skiverein".  Als erster „Fahrwart“ unterrichtete er Sportler kostenlos in der "Alpinen Lilienfelder Schifahrtechnik“. Vor 95 Jahren, am 19. März 1905, führte er am Muckenkogel den ersten Torlauf der Ski-Weitgeschichte durch und am 20. Juni jährt sich zum 60. Mal der Todestag Zdarkys.

Ein Nostalgie-Skirennen wird Veranstaltungshöhepunkt am 19. März, dem Jahrestag, des ersten Torlaufs, sein. Wer bei diesem Nostalgie-Skirennen mitmachen möchte, braucht Holzski ohne Kanten, Einstock, Lederschnürschuhe und Rie­menbindung, erwünscht wäre auch eine Skikleidung, wie sie vor 100 Jahren üblich war. Gefahren wird wie zu Zdarskys Zeiten auf unpräparierter Piste mit originalgetreuen Doppeltoren aus Haselnuss-Stangen. Und wie vor 100 Jahren müs­sen die Teilnehmer einen rund einstündigen Fußmarsch zum Start auf der Hinteralm in Kauf nehmen.  
(NÖ Wirtschaft)

 Im Bezirksheimatmuseum Lilienfeld wird anlässlich der Jubiläen ab 18. März 2000 bis Jahresende die Sonderausstellung "Der Weg zum 1. Torlauf der Ski-Weltgeschichte" gezeigt.

Damals: Schifahren

Fasziniert verfolgt der Zuschauer heute vor dem Fernsehgerät, wie Vreni Schneider elegant durch die Riesenslalomtore zieht und Marc Girardelli durch die Tore eines Super-G schießt. Oder er bewundert einen Maurizio de Zolt, der kraftvoll dem Ziel des 50-Kilometer-Langlaufs entgegenskatet. Weniger Beachtung bei Zuschauern und Aktiven finden dagegen die Sieger der Kombinationsrennen. Der Allrounder, der sich erfolgreich in verschiedenen Disziplinen beteiligt, kann sich immer weniger in Szene setzen. Zu sehr begünstigt die Differenzierung im Bereich von Technik, Trainingsmethodik und Material den Trend zum einseitigen Spezialisten. Dieser Prozeß der Spezialisierung, der analog in der Arbeitswelt zu beobachten ist, kennzeichnet die Entwicklung der letzten 50 Jahre auch im Skisport. Noch in den 60er Jahren, als der Ski-Weltcup in den Anfängen steckte, stellte ein Sieg in der alpinen Kombination (Abfahrt/Slalom) beim „Lauberhorn-Rennen", auf der Kitzbüheler „Streiff" oder beim „Arlberg-Kandahar-Rennen" einen denkwürdigen Höhepunkt in der Karriere eines Skifahrers dar. Und geht man zurück bis in die 30er und 40er Jahre, so stößt man auf die sogenannte Viererkombination, bei der sich ein erfolgreicher Skiläufer neben Abfahrt und Slalom auch im Langlauf und im Skisprung zu bewähren hatte. Man stelle sich heute vor: Der Slalomakrobat Armin Bittner kämpft in der gleichen Wertung gegen den Skispringer Dieter Thoma, wobei beide zusätzlich eine Abfahrt und einen Ausdauerlauf zu bestehen haben!

Weitere 50 Jahre zurück liegen die ersten Skiwettkämpfe, die in Mitteleuropa ausgetragen wurden. Dabei handelte es sich um Dauerläufe von etwa zehn bis 20 Kilometern Länge. Hier gab es Aufstiege mit beachtlichen Höhenunterschieden ebenso wie Abfahrten im stiebenden Tiefschnee, manchmal auch unterbrochen von Sprüngen über einzelne Hindernisse. Daneben wurden auch separate Sprungkonkurrenzen über eigens dafür gebaute Schanzen veranstaltet.

Die Ursprünge des Skilaufs gehen bis in die Jungsteinzeit zurück. Bodenfunde und Zeichnungen belegen, dass in Skandinavien und im Norden Russlands Gleithölzer verwendet wurden, die in ihrer Grundform bereits mit dem heutigen Ski verglichen werden können. Vor allem in Norwegen traten die Schneeschuhe, so die alte Bezeichnung für Ski, seit dem 16. Jahrhundert vermehrt als Mittel zur Fortbewegung auf. Es handelte sich dabei um zwei bis drei Meter lange Holzlatten, die rund 20 Zentimeter breit waren und vorne in eine aufgebogene Spitze mündeten. Der Fuß wurde mit Riemen an den Schneeschuh gebunden. Bereits im 19. Jahrhundert fanden in Skandinavien Skiwettkämpfe statt, die zahlreiche Zuschauer anlockten.

In Mitteleuropa lassen sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Versuche belegen, mit Hilfe speziell bearbeiteter Bretter im tiefen Schnee voranzukommen: Meist handelte es sich um „unförmige Bretter" aus Tannenholz mit einer abgeschrägten Spitze. Als Bindung diente ein einfacher Lederriemen, manchmal auch ein ganzes Paar Schuhe, das auf die Bretter genagelt wurde. Vereinzelt trifft man in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auch auf Ski, die aus Skandinavien importiert wurden. Doch alle Bemühungen, sich mit deren Hilfe im tiefen Schnee fortzubewegen, verliefen enttäuschend: Zum einen eignete sich das Material nicht, denn die Steilheit des alpinen Geländes stellte speziell an die Bindung andere Anforderungen als die sanfteren Hänge Norwegens. Zum anderen fehlte in Mitteleuropa auch jede Kenntnis davon, wie damit gebremst und gesteuert werden konnte.

Mutige Skiläufer stellten sich auf einen Hügel, fuhren in der Fallinie Richtung Tal und bremsten, indem sie sich zur Seite warfen und einen Purzelbaum schlugen. Die Vorsichtigeren beschränkten sich darauf, auf hartgefrorenen Straßen oder Plätzen herumzurutschen. Es kommt deshalb nicht überraschend, dass die Tauglichkeit der Ski als Fortbewegungsmittel bei winterlichen Verhältnissen entschieden verneint und die „Bretter" achtlos in eine Ecke gestellt wurden. Erst recht nicht zur Diskussion stand deren Verwendung als Sportgerät.

Nach 1890 setzte eine intensivere Auseinandersetzung mit Fragen der Skitechnik und des -materials ein. Dies hing nicht zuletzt mit der allgemeinen Entwicklung in jener Zeit zusammen: Die zunehmende Verstädterung und Technisierung des Lebens provozierte eine Art Gegenbewegung, die die Städter hinaus in die freie Natur führte. Wanderer, Naturfreunde, Pfadfinder, Anhänger der Freikörperkultur oder eben auch die frühen Skiläufer zog es in dieser „grünen" Welle (um 1900) hinaus ins Freie.

Einzelne mitteleuropäische Skipioniere wurden auch durch die Lektüre von Nansens Schilderung „Auf Schneeschuhen durch Grönland" (1891 in deutscher Übersetzung erschienen) ermuntert und inspiriert; andere, etwa der Österreicher Matthias Zdarsky, entwickelten nun eine eigene Technik, um auch in steilerem Gelände abfahren zu können. Dennoch – die Vorstellungen darüber, wie diese Bretter im alpinen Gelände verwendet werden könnten, blieben weiterhin sehr vage. In den zahlreichen Tourenberichten kann man lesen, wie die Ski bei steilen Aufstiegen abgeschnallt und durch Schneereifen ersetzt wurden; andere umwickelten sie mit Schnüren, um das Zurückgleiten beim Aufstieg zu verhindern, oder benutzten dazu kleine, dreieckige Bremsklötzchen.

Während die Verwendung der Ski beim Aufstieg kaum zeitliche Vorteile mit sich brachte, deutete sich bald deren Stärke bei der Abfahrt an. Doch mit welcher Technik wurde damals abgefahren? Teils setzte man sich – wie eine Hexe auf dem Besen reitend – auf den langen Skistock und regulierte die Bremswirkung durch stärkeres oder schwächeres „In die Hocke gehen". Andere banden ihre Ski zu einer Art Schlitten zusammen und rutschten so zu Tal.

In den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts haben zahlreiche Skipioniere geradezu waghalsige Skitouren unternommen. Das größte Echo löste wohl die Durchquerung des Berner Oberlands durch den Schweizer Victor de Beauclair und die deutschen Pioniere Paulcke, Lohmüller, Ehlert und Mönichs im Jahr 1897 aus. Sie führte von Haslital über Guttannen, Grimsel, Oberaarjoch, Grünhornlücke, Jungfrau und Belalp bis nach Brig und überwand auf einer Strecke von etwa 60 Kilometern immerhin 3 000 Höhenmeter. Hinter dieser Parforcetour, wie auch hinter ähnlichen Unternehmen, stand die Absicht, die Tauglichkeit der Ski als Hilfsmittel für alpine Wintertouren nachzuweisen.

Neue Impulse erhielt das Skilaufen vor allem um die Jahrhundertwende. Vielerorts wurden Skiclubs gegründet, die Wettbewerbsstrecken anlegten oder Sprunganlagen bauten. Natürlich warben die neugegründeten Vereine auch für die weitere Verbreitung des Skisports. Unterschiedlich wurde in diesen Clubs die Mitgliedschaft von Damen geregelt. Der 1895 gegründete Skiclub Schwarzwald hielt in seinen Satzungen ausdrücklich fest: „Damen ist der Eintritt natürlich aufs Bereitwilligste gestattet, sogar ist derselbe sehr erwünscht." Anders die schweizerischen Skiclubs: Analog zum Schweizerischen Alpen Club (SAC), aus dem sie als Untersektionen hervorgegangen waren, lehnten sie die Aufnahme von Damen konsequent ab; erst in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg lockerte die Mehrzahl der schweizerischen Skiclubs ihre Bestimmungen und billigte die Aufnahme von skifahrenden Damen. Eine weitere organisatorische Etappe stellte die Gründung verschiedener nationaler Skiverbände dar. 1904 vereinigten sich die schweizerischen Skiclubs in einem nationalen Verband, 1905 folgten Deutschland und Österreich.

Auch in der Vermittlung des skitechnischen Wissens kam es um die Jahrhundertwende zu Neuerungen. Wer sich bisher über Material und Technik des Skilaufens hatte informieren wollen, war in erster Linie auf frühe schriftliche Anleitungen angewiesen: Neben den Berichten über erfolgreiche Skitouren in den Zeitschriften der Alpenvereine zirkulierte vor allem ein mehrfach aufgelegtes Flugblatt von Wilhelm Paulcke (Erstausgabe undatiert, wohl aus dem Winter 1898/99); zu den ersten Lehrbüchern in deutscher Sprache gehörten Matthias Zdarskys „Lilienfelder Skilauf-Technik" (1897) und „Der Skilauf" (1899), wiederum aus der Feder von Wilhelm Paulcke.

Seit dem Winter 1901/02 gingen die Pioniere des Skilaufs dazu über, ihre Kenntnisse bei praktischen Skikursen weiterzugeben. In ein bis zwei Tagen wurden die Kursteilnehmer in die Grundlagen eingeführt; besonderes Gewicht wurde „auf das Fahren ohne Stock und in Krümmungen" (also auf das Fahren von Bogen) gelegt, um von der inzwischen verpönten Stockreiterei abzukommen. Im Anschluss an diese Einführung wurde in der Regel eine größere Skitour unternommen, manchmal ergänzt durch einen Wettbewerb. Den eigentlichen Durchbruch erlebten diese Kurse im Winter 1904/05, als auf Veranlassung des Glarner Skipioniers Christoph Iselin norwegische Studenten als Skilehrer engagiert wurden. Leif Berg und Thorleif Björnstad, die Gebrüder Harald und Trygve Smith oder Thorwald Heyerdahl, um nur die eifrigsten Instruktoren zu nennen, unterrichteten in zahlreichen Wochenkursen Hunderte von Skischülern.

Die norwegischen Skilehrer beteiligten sich auch an den großen Wettkämpfen, teils als Kampfrichter bei den Sprungkonkurrenzen, teil als aktive Teilnehmer. Lange Zeit waren sie den einheimischen Skiläufern weit überlegen; dies kam besonders deutlich beim Springen zum Ausdruck, wo sie die Einheimischen regelmäßig um zehn und mehr Meter hinter sich ließen und die Zuschauer mit spektakulären Doppel- oder Dreifachsprüngen begeisterten. Das Programm der bedeutenden Veranstaltungen, wie etwa der jährlich ausgetragenen nationalen Meisterschaften, war im übrigen gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Konkurrenzen: Es gab Ausdauerläufe in gesonderten Kategorien für Aktive, Damen, Jugendliche oder Militär-Skiläufer, ferner Sprungkonkurrenzen sowie Stil- und Kunstlaufwettbewerbe. Im Unterschied zu heute wurden zu jener Zeit, analog dem norwegischen Vorbild, ausschließlich „nordische" Wettbewerbe durchgeführt; rein „alpine" Konkurrenzen, das heißt Abfahrts- oder Slalomläufe, folgten erst in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg.

Mit dem Aufkommen der Wettkämpfe deutete sich ein allmählicher Funktionswandel an. Noch um die Jahrhundertwende wurde das Skilaufen ausschließlich dazu benutzt, sich im alltäglichen Leben bei winterlichen Bedingungen leichter fortbewegen zu können – sei es als Förster, Jäger und Postbote oder auch bei alpinen Expeditionen. Mit dem Aufkommen der Wettkämpfe verlagerte sich der Schwerpunkt auf eine andere Ebene: Der Skilauf entwickelte sich Schritt für Schritt zu einer Sportart. Aus dem reinen Fortbewegungsmittel war ein Sportgerät geworden. Damit geriet das Skilaufen auch in die damals aktuelle Kontroverse zwischen Turnern und „sportsmen". Dabei basierten der Austragungsmodus der Stil- und Kunstlaufwettbewerbe sowie die Stilbewertung der Sprünge zunächst auf den Traditionen und ästhetischen Kriterien der Turner. Im Gegensatz dazu standen die Vertreter der englischen „sports": Sie traten für die rein quantitative Bewertung der sportlichen Leistungen mittels Stoppuhr und Meßband ein. Diese Bewertungsart hat sich im Skisport spätestens seit den 20er Jahren eindeutig durchgesetzt, und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis mit den umstrittenen Stilnoten im heutigen Skispringen das letzte Relikt der alten Turnertradition gänzlich aus der Wertung fallen wird.

In den frühen 20er Jahren folgte die allmähliche Differenzierung des Skilaufs in den nordischen und den alpinen Skisport. Diese Veränderung ist wiederum eng verbunden mit der Einflußnahme englischer „sportsmen"; sie verwarfen jene Anschauungen, die sich für die Beibehaltung des Hochsteigens in den Rennen aussprachen und allein in der Kombination von Geschicklichkeit, Mut und Ausdauer das Idealbild des kompletten Skifahrers sahen. Demgegenüber argumentierte Sir Arnold Lunn, der eigentliche „Vater" des alpinen Skirennsports, daß der Aufstieg – bergsteigerischer Tradition entsprechend – ruhig und vor allem sicher zu erfolgen habe. Das Aufwärtsrennen habe keinen Sinn und bevorzuge beim Wettkampf einseitig Kraft und Ausdauer, zumal bei einer Laufstrecke von rund 85 Minuten allenfalls fünf Minuten reine Abfahrt enthalten waren.

Die Vorschläge der Engländer müssen aus zwei Aspekten heraus verstanden werden: Die beliebten Winterorte Mürren, Wengen, Chamonix, St. Anton, Kitzbühel oder Garmisch-Partenkirchen boten durch die großen Höhendifferenzen der sie umgebenden Berge überhaupt erst die Möglichkeit, reine Abfahrtswettläufe zu veranstalten. Zum anderen eröffnete etwa der Bau der Scheideggbahn neue Perspektiven: Sie brachte den Skifahrer mühelos in die Höhe und gestattete ihm, ein Vielfaches der bisher möglichen Abfahrtskilometer zurückzulegen. Die Abfahrt bildete so nicht mehr den „Lohn der Mühe", den der Bergsteiger nach dem langen Aufstieg genießen durfte. Sie wurde vielmehr zum Selbstzweck, zum sportlichen Vergnügen einer ständig wachsenden Schar begeisterter Anhänger.

Das Jahr 1924 kann als Schwellenjahr des alpinen Skisports bezeichnet werden: Es kam zur Gründung des Internationalen Skiverbands FIS, zur ersten Austragung eines alpinen Kombinationswettlaufs, bestehend aus Abfahrt und Slalom, sowie zur Gründung des Kandahar-Skiclubs, der für die weitere Entwicklung des alpinen Rennsports bedeutsam war. Im gleichen Jahr fanden in Chamonix die ersten Olympischen Winterspiele statt, bei denen allerdings ausschließlich nordische Skiwettkämpfe ausgetragen wurden. Erst die erfolgreiche Durchführung des Lauberhorn-Rennens 1930 führte zur internationalen Anerkennung der Regeln für Abfahrt und Slalom. Der FIS-Kongreß in Oslo vergab 1930 die Durchführung der ersten alpinen Weltmeisterschaften an die Engländer, die diese Wettkämpfe 1931 in Mürren veranstalteten; schließlich wurden Abfahrt und Slalom auch in das Programm der Olympischen Winterspiele von 1936 in Garmisch-Partenkirchen aufgenommen und als alpine Zweierkombination gewertet.

1950 fanden erstmals Weltmeisterschaften im Riesenslalom statt; 1987 wurde der Superriesenslalom ins Programm aufgenommen, um die Weltcupchancen der Abfahrtsspezialisten zu verbessern. Tiefer greifende Veränderungen erfuhren Ausrüstung, Skitechnik und Pisteninstallationen: 1930 wurde die Stahlkante erfunden; 1952 folgte die erste Sicherheitsbindung, in den späten 50er Jahren kamen die ersten Metall- und wenig später die ersten Kunststoffski auf den Markt. In den 60er Jahren wurden erstmals Kunststoffschuhe mit Schnallenverschlüssen hergestellt, die die alten Lederschuhe mit einfacher oder doppelter Schnürung ablösten.

Seit der Mitte der 30er Jahre setzte der Bau von Skiliften ein, was den Trend zum alpinen Skisport als Massensport unterstützte. Die Pisten wurden in neuerer Zeit für die Bedürfnisse der Skifahrer speziell hergerichtet, sei es durch die Bearbeitung mit Pistenmaschinen, sei es durch die bauliche Veränderung der Berglandschaft.

Schließlich veränderte sich auch die Technik des Skilaufs. Sie orientierte sich an der Technik der erfolgreichen Rennläufer; vom reinen Rotationsschwung der Vorkriegszeit führte die Entwicklung über die Gegenrotationsschwünge (die sogenannten „Wedelschwünge") hin zur aktuellen Technik der rationellen Umsteigeschwünge. Funktionale Grundsätze wiesen die Richtung dieser Entwicklung, die ästhetischen Kriterien früherer Zeiten haben ausgespielt; so ist zum Beispiel die geschlossene Skiführung, früher das entscheidende Kriterium für gekonnten Skilauf, heute eher ein Zeichen dafür, daß man schon seit längerer Zeit keinen Skiunterricht mehr genossen hat ...
(Encarta)
hinau

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